Der vollständige Leitfaden zum KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)
Das KGV ist ein Indikator, der den Unternehmenswert daran misst, wie oft der Aktienkurs den Gewinn pro Aktie übersteigt. Um es richtig anzuwenden, muss man die Berechnungsmethode, die Interpretationskriterien und die Fallstricke kennen.
Aktuelle Marktwerte
- Stand 2026-09-03 liegt der Median von KGV über 621 Börse Tokio-Titel bei 14.2x. (7%)
Von Margin Call direkt aus den veröffentlichten Abschlüssen der Unternehmen berechnet, täglich aktualisiert.
Was ist das KGV?
Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis, engl. Price-to-Earnings Ratio) ist der Wert, der sich ergibt, wenn man den Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie (EPS) teilt. Es zeigt an, wie oft der Preis einer Aktie den Nettogewinn übersteigt, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet. Dividiert man die Marktkapitalisierung durch den Jahresüberschuss, erhält man denselben Wert.
Intuitiv lässt sich das KGV so interpretieren: 'Wie viele Jahre würde es dauern, das investierte Kapital zurückzugewinnen, wenn der aktuelle Gewinn konstant bliebe?' Ein KGV von 10 bedeutet beispielsweise, dass der Preis rechnerisch dem Zehnfachen des Jahresgewinns entspricht. Da sich die Gewinne jedoch jährlich ändern, ist diese Interpretation lediglich ein Ausgangspunkt.
Dieser Artikel ist ein Lehrmaterial, das die Prinzipien der Anlageentscheidung erläutert, und stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere dar.
Wie wird es berechnet?
Die Formel ist einfach: KGV = Kurs ÷ EPS. Wenn beispielsweise der Kurs $100 beträgt und das EPS $5, dann beträgt das KGV 20. Fällt der Kurs desselben Unternehmens auf $80, während das EPS unverändert bleibt, sinkt das KGV auf 16.
Das EPS ist der Jahresüberschuss geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Beträgt der Nettogewinn $100 Milliarden und die Anzahl der Aktien 100 Millionen, dann ist das EPS $1.000, und bei einem Kurs von $25.000 beträgt das KGV 25. Da Zähler (Kurs) und Nenner (Gewinn) sich gemeinsam bewegen, ist das KGV nur aussagekräftig, wenn man beide Werte gleichzeitig betrachtet.
Die Art des KGV hängt davon ab, welcher Gewinn als Referenz herangezogen wird. Verwendet man die tatsächlichen Gewinne der letzten vier Quartale, spricht man vom nachlaufenden KGV (Trailing KGV). Verwendet man die geschätzten Gewinne für das kommende Jahr, spricht man vom vorausschauenden KGV (Forward KGV). Man sollte bedenken, dass geschätzte Gewinne auf Analystenprognosen basieren und daher ungenau sein können.
Wie interpretiert man hohe und niedrige Werte?
Ein niedriges KGV kann darauf hindeuten, dass der Aktienkurs im Verhältnis zum Gewinn günstig ist, während ein hohes KGV ein Signal dafür sein kann, dass der Markt ein starkes zukünftiges Gewinnwachstum des Unternehmens erwartet. Schnell wachsende Unternehmen werden oft mit einem KGV von 30-40 gehandelt, während reife Unternehmen mit stagnierendem Wachstum häufig bei 8-12 verharren.
Es ist schwierig, allein anhand eines absoluten Wertes zu beurteilen, ob eine Aktie teuer oder günstig ist. Das KGV wird aussagekräftig, wenn man es mit ähnlichen Unternehmen derselben Branche oder mit dem historischen Durchschnitts-KGV des Unternehmens vergleicht. Branchen wie Banken oder Stahl haben strukturell tendenziell ein niedriges KGV, während Software oder Biotechnologie tendenziell höhere Werte aufweisen.
Der koreanische Markt weist im Allgemeinen tendenziell ein niedrigeres KGV auf als der US-Markt, was manchmal als 'Korea-Abschlag' (Korea Discount) bezeichnet wird. Da die gängigen Richtwerte je nach Markt und Branche variieren, führt ein direkter Vergleich des KGV verschiedener Märkte mit demselben Maßstab zu Missverständnissen.
Wie wird es in der Praxis angewendet?
In der Praxis wird das KGV selten isoliert verwendet, sondern hauptsächlich im relativen Vergleich mit dem Branchendurchschnitt. Wenn Unternehmen A in derselben Branche ein KGV von 12 und Unternehmen B ein KGV von 20 hat, wird geprüft, ob Unternehmen B diesen Aufschlag durch schnelleres Wachstum oder höhere Rentabilität rechtfertigen kann.
Um auch das Wachstum zu berücksichtigen, betrachtet man das PEG-Verhältnis, das sich aus dem KGV geteilt durch die Gewinnwachstumsrate ergibt. Wenn ein Unternehmen mit einem KGV von 20 eine jährliche Gewinnwachstumsrate von 20% aufweist, beträgt das PEG 1,0. Eine Perspektive besagt, dass dies im Verhältnis zur Wachstumsgeschwindigkeit nicht übertrieben ist. Die Idee ist, dass bei gleichem KGV ein höheres Wachstum eine geringere Belastung darstellt.
Das KGV ergibt ein umfassenderes Bild, wenn es zusammen mit anderen Kennzahlen wie dem KBV, der ROE und der operativen Marge betrachtet wird. Wenn man Schlussfolgerungen nur auf eine einzige Kennzahl stützt, übersieht man leicht wichtige Schwächen oder Stärken.
Fallstricke und Grenzen
Der größte Fallstrick ist, dass der Gewinn im Nenner durch temporäre Faktoren beeinflusst werden kann. Einmalige Gewinne, wie z.B. aus dem Verkauf von Immobilien, können das EPS aufblähen und das KGV ungewöhnlich niedrig erscheinen lassen. Umgekehrt können bei hohen Verlusten die Gewinne nahe null liegen, wodurch das KGV auf mehrere hundert ansteigt oder bei Verlustunternehmen gar nicht berechenbar ist.
Ein niedriges KGV bedeutet auch nicht immer eine Unterbewertung. Es könnte eine 'Value Trap' sein, bei der der Markt aufgrund einer Verschlechterung der Branchenlage oder struktureller Probleme bereits zukünftige Gewinnrückgänge antizipiert und den Aktienkurs entsprechend gesenkt hat. Da der buchhalterische Gewinn durch Abschreibungen oder Bilanzierungspraktiken beeinflusst wird, hilft die gleichzeitige Betrachtung des KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis) oder des freien Cashflows, um Verzerrungen herauszufiltern.
Das KGV spiegelt den Verschuldungsgrad überhaupt nicht wider. Ein hoch verschuldetes Unternehmen und ein schuldenfreies Unternehmen können dasselbe KGV aufweisen, aber ein völlig unterschiedliches Risiko haben. Um auch die Kapitalstruktur zu berücksichtigen, ist es ratsam, ergänzende Kennzahlen wie EV/EBITDA zu prüfen.
Wichtige Checkpunkte
Zusammenfassend ist das KGV ('Kurs ÷ EPS') eine Ausgangskennzahl, die das Kursniveau im Verhältnis zum Gewinn betrachtet. Es ist wichtig zu bedenken, dass seine Bedeutung eher im Vergleich mit der Branche, dem historischen Durchschnitt und der Wachstumsrate liegt als in seinem absoluten Wert.
Die Gewohnheit, zu prüfen, ob es sich um ein nachlaufendes oder vorausschauendes KGV handelt, ob einmalige Gewinne enthalten sind, wie die Verschuldung aussieht und ob ein niedriges KGV eine Falle sein könnte, ist der richtige Weg, das KGV korrekt anzuwenden. Keine einzelne Kennzahl ist ein Allheilmittel, und auch das KGV wird erst dann zu einem Entscheidungskriterium, wenn es zusammen mit verschiedenen anderen Kennzahlen und dem Geschäftsinhalt gelesen wird.
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