Volatilität mit Bollinger Bändern lesen
Dieser Artikel erklärt, wie man mit Preiskanälen, die auf Standardabweichungen basieren, die Kontraktion und Expansion der Volatilität liest und überkaufte/überverkaufte Bereiche einschätzt.
Was sind Bollinger Bänder?
Bollinger Bänder sind ein Indikator, der in den 1980er Jahren von John Bollinger entwickelt wurde. Sie bestehen aus einer Mittellinie und zwei Bändern, die diese oben und unten umschließen. Die Mittellinie ist in der Regel ein einfacher gleitender Durchschnitt über 20 Tage, während das obere und untere Band durch Addition oder Subtraktion eines bestimmten Vielfachen der Standardabweichung über denselben Zeitraum berechnet werden. Die häufigste Standardeinstellung ist ein Zeitraum von 20 Tagen und ein Standardabweichungsfaktor von 2.
Der Kernpunkt ist, dass die Bandbreite nicht fest ist. Wenn die Preise stark schwanken, vergrößert sich die Standardabweichung und die Bänder weiten sich. Wenn die Preise ruhig sind, verringert sich die Standardabweichung und die Bänder verengen sich. Das bedeutet, dass Bollinger Bänder eher ein Kanal zur Visualisierung der Volatilität sind als ein Trendindikator.
Berechnungsprinzip und Zahlenbeispiel
Die Mittellinie ist der Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 20 Tage. Die Standardabweichung der Schlusskurse über dieselben 20 Tage wird berechnet, und das obere Band wird als Mittellinie plus dem zweifachen der Standardabweichung, das untere Band als Mittellinie minus dem zweifachen der Standardabweichung festgelegt. Wenn beispielsweise der 20-Tage-Durchschnitt 100 € beträgt und die Standardabweichung 5 € ist, dann liegt das obere Band bei 110 € und das untere Band bei 90 €.
Selbst bei einem Durchschnitt von 100 €, wenn die Volatilität gering ist und die Standardabweichung auf 2 € sinkt, verengen sich die Bänder auf eine Breite von 4 € (oberes Band 102 €, unteres Band 98 €). Umgekehrt, wenn es häufig zu starken Schwankungen kommt und die Standardabweichung auf 8 € ansteigt, weiten sich die Bänder auf eine Breite von 32 € (oberes Band 116 €, unteres Band 84 €). Unter der Annahme einer Normalverteilung liegen etwa 95 Prozent der Daten innerhalb von Durchschnitt ±2 Standardabweichungen, sodass ein Preis, der außerhalb der Bänder liegt, statistisch gesehen ein seltenes Ereignis darstellt.
Interpretationskriterien
Die grundlegende Intuition besagt, dass ein Preis, der das obere Band berührt oder überschreitet, kurzfristig als überhitzt gilt, und ein Preis, der das untere Band berührt oder unterschreitet, kurzfristig als rückläufig. Das Berühren der Bänder ist jedoch kein automatisches Handelssignal. In einem starken Aufwärtstrend kann es zu einem „Band Walking“ kommen, bei dem der Preis dem oberen Band kontinuierlich folgt. Wenn man das Berühren des oberen Bandes als Verkaufssignal interpretiert, verpasst man den Trend.
Es ist nützlich, die Veränderung der Bandbreite zu berücksichtigen. Eine Phase, in der sich die Bänder extrem verengen (ein sogenannter „Squeeze“), deutet auf eine komprimierte Volatilität hin und signalisiert die Möglichkeit einer anschließenden starken Bewegung. Ein Squeeze gibt jedoch keine Richtung vor, daher muss die Frage, ob der Ausbruch nach oben oder unten erfolgt, durch andere Indikatoren wie Volumen oder Trend ergänzt werden.
Praktische Anwendungsmethoden
Die Hilfsindikatoren %B und Bandbreite (Bandwidth), die die Bandbreite quantifizieren, werden häufig verwendet. %B zeigt an, wo sich der Preis innerhalb der Bänder befindet, auf einer Skala von 0 bis 1. Wenn der Preis am unteren Band liegt, ist %B 0; an der Mittellinie ist es 0,5; und am oberen Band ist es 1. Wenn %B beispielsweise 0,05 beträgt, liegt der Preis nahe dem unteren Band, und bei 0,95 liegt er nahe dem oberen Band.
Aus einer Gegentrend-Perspektive wird in Seitwärtsmärkten ein Kauf getätigt, wenn der Preis das untere Band erreicht und abprallt, und ein Verkauf, wenn er das obere Band erreicht und zurückfällt. Aus einer Trend-Perspektive wird die Mittellinie als Unterstützungs- oder Widerstandslinie betrachtet. In einem Aufwärtstrend wird ein Rücksetzer zum Mittelband, gefolgt von einem erneuten Anstieg, als Zeichen für die Fortsetzung des Trends gewertet. Die Kombination mit RSI oder Volumenanalyse und das Handeln nur, wenn zwei oder drei Bestätigungen vorliegen, erhöht die Zuverlässigkeit des Signals.
Fallstricke und Grenzen
Das häufigste Missverständnis ist, das Berühren der Bänder als automatisches Handelssignal zu betrachten. Bei starken Trends verweilt der Preis oft lange an einem der Bänder, sodass ein mechanischer Gegentrend-Handel leicht zu Verlusten führen kann. Da Bollinger Bänder auf gleitenden Durchschnitten basieren, sind sie im Wesentlichen nachlaufende Indikatoren und können plötzliche Gaps oder ereignisbedingte Schwankungen nicht vorhersagen.
Die Standardabweichung setzt eine Normalverteilung voraus, aber die tatsächlichen Aktienkursrenditen haben „fette Enden“, sodass extreme Bewegungen außerhalb der Bänder häufiger auftreten als statistisch erwartet. Auch Umgebungen mit Preisobergrenzen wie der koreanische Markt und Umgebungen ohne Preisobergrenzen wie der US-Markt weisen unterschiedliche Volatilitätsverteilungen auf, sodass dieselben Einstellungen nicht immer gleich gut passen. Es ist notwendig, die Perioden und Multiplikatoren an die Art des Wertpapiers und die Zeiteinheit anzupassen.
Checkpunkte
Bollinger Bänder sind kein Werkzeug zur Vorhersage der Richtung, sondern ein Werkzeug zum Ablesen des Volatilitätszustands. Eine Verengung der Bandbreite ist als Volatilitätskompression zu verstehen, eine Erweiterung als Volatilitätsexpansion, und die Interpretation erfolgt im Kontext von Trend und Volumen, nicht nur durch das Berühren der Bänder.
Dieser Artikel dient der Erklärung der Prinzipien des Indikators zu Bildungszwecken und empfiehlt nicht den Handel mit bestimmten Wertpapieren. Jeder Indikator funktioniert stabiler, wenn er nicht isoliert, sondern in Kombination mit mehreren Bestätigungen und Risikomanagementprinzipien wie Stop-Loss-Kriterien und Positionsgrößenmanagement angewendet wird.
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