Margin Call
Krypto
Börsenlexikon · Technische Analyse

RSI (Relative Strength Index) Interpretation

Der RSI ist ein Momentum-Indikator, der die Stärke von Preisbewegungen misst, indem er die Auf- und Abwärtsbewegungen über einen bestimmten Zeitraum vergleicht und diese in einen Wert zwischen 0 und 100 umrechnet. Er wird verwendet, um überkaufte und überverkaufte Bereiche zu identifizieren und Trends zu überprüfen.

Verfasst und geprüft von: der Margin Call Redaktion·Veröffentlicht: 2026-04-01·Zuletzt geprüft: 2026-04-28·Etwa 4–5 Min. Lesezeit

Was ist der RSI?

Der RSI (Relative Strength Index) ist ein Momentum-Indikator, der 1978 von Welles Wilder entwickelt wurde. Er vergleicht die durchschnittlichen Kursgewinne an Tagen mit steigenden Kursen mit den durchschnittlichen Kursverlusten an Tagen mit fallenden Kursen über einen bestimmten Zeitraum und drückt das Ergebnis als Wert zwischen 0 und 100 aus. Ein höherer Wert deutet auf einen stärkeren Aufwärtsdruck in jüngster Zeit hin, während ein niedrigerer Wert auf einen stärkeren Abwärtsdruck hindeutet.

Die 'relative Stärke' im Namen bezieht sich nicht auf einen Vergleich zwischen verschiedenen Aktien, sondern auf das relative Verhältnis von Aufwärts- und Abwärtskraft innerhalb einer einzelnen Aktie. Da er nicht das absolute Preisniveau, sondern die Intensität der Veränderung misst, zeigt er Überhitzung oder Abschwächung eines Trends in Zahlen an, die allein aus dem Chart nicht immer ersichtlich sind. Dieser Artikel ist ein Lehrmaterial, das die Prinzipien des Indikators erklärt, und stellt keine Empfehlung für bestimmte Handelsgeschäfte dar.

Berechnungsprinzip

Der RSI wird berechnet, indem zuerst der RS (Relative Stärke) ermittelt und dann in die Formel 100 - 100/(1+RS) eingesetzt wird. Der RS ist das 'Verhältnis des durchschnittlichen Kursgewinns zum durchschnittlichen Kursverlust über einen bestimmten Zeitraum'. Der am häufigsten verwendete Zeitraum beträgt 14 Tage; ein kürzerer Zeitraum (z.B. 9 Tage) macht den Indikator empfindlicher, ein längerer (z.B. 21 Tage) macht ihn glatter.

In einem einfachen hypothetischen Beispiel: Wenn der durchschnittliche Kursgewinn der letzten 14 Tage $2.0 und der durchschnittliche Kursverlust $1.0 beträgt, dann ist der RS 2.0, und der RSI wird 100 - 100/3 ≈ 66.7. Wenn der Kurs 14 Tage lang nur gestiegen wäre, wäre der durchschnittliche Kursverlust 0, und der RSI würde sich 100 nähern. Wäre er umgekehrt nur gefallen, würde er sich 0 nähern.

Tatsächliche Chart-Tools verwenden keine einfachen Durchschnitte, sondern Wilders geglätteten Durchschnitt, der neue Schwankungen kumulativ in den vorherigen Wert einbezieht. Daher können die RSI-Werte für dieselbe Aktie je nach verwendetem Zeitraum und Glättungsmethode leicht variieren.

Interpretationskriterien: Überkauft und Überverkauft

Traditionell wird ein RSI über 70 als überkauft und unter 30 als überverkauft angesehen. Ein Wert über 70 deutet darauf hin, dass der Kurs in kurzer Zeit stark gestiegen ist und die Kaufaktivität überhitzt sein könnte, während ein Wert unter 30 darauf hindeutet, dass übermäßig viel verkauft wurde und Raum für eine Erholung bestehen könnte. Dies sind jedoch keine absoluten Signale, sondern eher 'Warnbereiche'.

In starken Trendmärkten verlieren diese Kriterien leicht an Aussagekraft. Aktien in einem robusten Aufwärtstrend können weit über 70 steigen, während der RSI über diesem Wert bleibt, und in einem Abwärtstrend kann er lange unter 30 verharren. Daher werden in Trendmärkten die Grenzwerte manchmal auf 80/20 erweitert.

RSI 50 ist der Punkt, an dem Aufwärts- und Abwärtskräfte im Gleichgewicht sind. Die Interpretation, dass ein RSI über 50 einen Aufwärtsmomentum-Vorteil und unter 50 einen Abwärtsmomentum-Vorteil anzeigt, ist oft nützlicher für die Trendbeurteilung als die einfache Überkauft-/Überverkauft-Analyse.

Praktische Anwendung: Divergenz und Trendbestätigung

Eine typische Anwendung des RSI ist die Divergenz. Wenn der Kurs ein neues Hoch über dem vorherigen Hoch erreicht, der RSI aber ein niedrigeres Hoch als das vorherige Hoch bildet, spricht man von einer 'bärischen Divergenz', was als Zeichen für eine Abschwächung des Aufwärtsmoments gewertet wird. Umgekehrt, wenn der Kurs ein neues Tief erreicht, der RSI aber ein höheres Tief bildet, spricht man von einer 'bullischen Divergenz'.

Wenn beispielsweise der Kurs einer Aktie von $100 auf $120 ein neues Hoch erreicht, während der RSI von 75 auf 68 fällt, bedeutet dies, dass der Preis zwar gestiegen ist, die Stärke des Anstiegs jedoch abgenommen hat. Solche Divergenzen können eine Trendumkehr ankündigen, können den Zeitpunkt jedoch nicht genau bestimmen und sollten daher in Verbindung mit anderen Indikatoren betrachtet werden.

Der RSI gewinnt an Zuverlässigkeit, wenn er nicht isoliert, sondern in Kombination mit anderen Indikatoren wie Trendlinien, gleitenden Durchschnitten und dem Handelsvolumen verwendet wird. Die Berechnungsformel ist sowohl in Korea als auch in den USA dieselbe, aber bei volatileren Aktien erreicht der RSI häufiger Extremwerte, weshalb es ratsam ist, die Interpretation der Grenzwerte an die spezifischen Eigenschaften der Aktie anzupassen.

Fallstricke und Grenzen

Der häufigste Fehler ist die mechanische Annahme 'RSI 70 = Verkaufen, 30 = Kaufen'. Wird diese Regel in starken Trendmärkten angewendet, führt dies leicht dazu, dass man in einem Aufwärtstrend zu früh verkauft und in einem Abwärtstrend in ein fallendes Messer greift. Der RSI ist kein Werkzeug zur Bestimmung des genauen Einstiegszeitpunkts, sondern ein Referenzindikator zur Einschätzung des Grades der Überhitzung oder Abkühlung.

Zudem ist der RSI ein nachlaufender Indikator. Da er aus Preisdaten abgeleitet wird, reagiert er, nachdem sich der Preis bereits bewegt hat, und fasst den aktuellen Zustand zusammen, anstatt die Zukunft vorherzusagen. Betrachtet man dieselbe Aktie mit einem 9-Tage- und einem 21-Tage-RSI, ergeben sich unterschiedliche Zeitpunkte für überkaufte/überverkaufte Zustände, daher gibt es keine 'richtige' Einstellung. Es ist wichtig, ihn konsistent entsprechend der eigenen Zeiteinheit und dem Handelsstil zu verwenden.

Zusammenfassung und Checkpunkte

Der RSI ist ein Momentum-Indikator, der die Aufwärts- und Abwärtskräfte im Bereich von 0 bis 100 vergleicht, und 70/30 sind lediglich Warnbereiche, keine automatischen Handelssignale. Bei starken Trends ist eine Anpassung erforderlich, indem die Grenzwerte auf 80/20 erweitert oder die 50er-Linie als Trendkriterium betrachtet wird.

In der Praxis ist die Kombination mit der Überprüfung von Divergenzen, gleitenden Durchschnitten und dem Handelsvolumen effektiver als die alleinige Verwendung. Wenn man sich der Grenzen wie der Nachlaufzeit und der Periodenabhängigkeit bewusst ist und sich daran erinnert, dass der Indikator nicht 'Vorhersagen', sondern die 'Stärke der aktuellen Preisbewegung' anzeigt, kann Missbrauch reduziert werden.

Weiterführende Beiträge

Hol dir die App

Watchlist und Depot mit einem Tipp vom Startbildschirm — die Margin Call App

⚠️ Dieser Inhalt ist eine allgemeine Information zur Anlagebildung und keine Anlageberatung von Margin Call. Anlageentscheidungen liegen in Ihrer eigenen Verantwortung.