Exit-Strategie — Festlegung von Kurszielen und Stop-Loss
Wie man Verkaufsregeln festlegt, bevor man Aktien kauft, um Verkäufe durch vorausschauende Planung statt durch Emotionen zu steuern.
Was ist eine Exit-Strategie?
Eine Exit-Strategie ist eine Regel, die man vor dem Kauf festlegt, um zu bestimmen, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen man eine gehaltene Aktie verkaufen wird. Es gibt zwei Kernpunkte: das Kursziel (Target Price) zur Gewinnrealisierung und den Stop-Loss zur Verlustbegrenzung. Am wichtigsten ist, dass diese Regeln VOR dem Kauf festgelegt werden und nicht erst DANACH.
Menschen neigen dazu, in Verlustphasen aufgrund ihrer Verlustaversion an Positionen festzuhalten, nach dem Motto 'Ich verkaufe, sobald ich wieder bei Null bin'. In Gewinnphasen hingegen zögern sie den Verkauf hinaus, weil sie denken, 'es könnte noch weiter steigen'. Wenn diese beiden Verzerrungen zusammenkommen, führt dies zu genau dem gegenteiligen Verhalten: Verluste werden vergrößert und Gewinne zu früh realisiert. Wenn man die Regeln im Voraus schriftlich festhält, kann man emotionale Eingriffe im Moment des Handels reduzieren.
Dieser Artikel ist ein Lehrmaterial, das die Prinzipien der Gestaltung von Verkaufsregeln behandelt und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere darstellt.
Zwei Methoden zur Festlegung eines Stop-Loss
Ein Stop-Loss wird hauptsächlich nach prozentualen oder volatilitätsbasierten Kriterien festgelegt. Das prozentuale Kriterium ist einfach: Wenn der Kaufpreis 10.000 € beträgt und der Stop-Loss-Bereich auf 8 % festgelegt wird, liegt der Stop-Loss bei 9.200 €. Fällt der Kurs unter diesen Preis, wird ohne weitere Begründung verkauft.
Das volatilitätsbasierte Kriterium berücksichtigt, dass die Schwankungen von Wertpapier zu Wertpapier unterschiedlich sind. Wenn man bei einem Wertpapier, das normalerweise starke tägliche Schwankungen aufweist, einen 8 % Stop-Loss setzt, kann dieser bereits bei normalen Kursbewegungen ausgelöst werden. Daher wird manchmal das 1,5- bis 2-fache eines Volatilitätsindikators wie des ATR (Average True Range) als Stop-Loss-Bereich verwendet. Bei volatilen Wertpapieren ist es entscheidend, den Stop-Loss-Bereich zu erweitern, aber gleichzeitig die Kaufmenge zu reduzieren, um den absoluten Verlustbetrag konstant zu halten.
Unabhängig von der Methode sollte der Stop-Loss sofort nach dem Kauf festgelegt werden. Sobald der Preis sich der Stop-Loss-Linie nähert und man die Linie mit der Begründung 'Lass uns hier noch ein bisschen abwarten' nach unten verschiebt, ist die Regel gebrochen.
Festlegung von Kurszielen und Chance-Risiko-Verhältnis
Das Kursziel wird nicht durch vage Erwartungen, sondern in Relation zum Stop-Loss festgelegt. Das Verhältnis zwischen der Distanz zum Stop-Loss (Risiko) und der Distanz zum Kursziel (Belohnung) wird als Chance-Risiko-Verhältnis (Risk-Reward Ratio) bezeichnet. Wenn der Kaufpreis 10.000 €, der Stop-Loss 9.000 € und das Kursziel 13.000 € beträgt, liegt das Risiko bei 1.000 € und die Belohnung bei 3.000 €, sodass das Chance-Risiko-Verhältnis 1 zu 3 beträgt.
Das Chance-Risiko-Verhältnis ist wichtig, weil es direkt mit der Trefferquote zusammenhängt. Wenn das Chance-Risiko-Verhältnis 1 zu 2 beträgt, reicht es aus, 4 von 10 Trades zu gewinnen, um rechnerisch die Gewinnschwelle zu überschreiten. Das bedeutet, man muss nicht jedes Mal richtig liegen, was eine psychologische Grundlage dafür schafft, Verluste leichter zu akzeptieren.
Das Kursziel selbst gewinnt an Überzeugungskraft, wenn es durch eine Bewertung untermauert wird. Wenn beispielsweise bei einem Wertpapier mit einem EPS von 1.000 € das durchschnittliche KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) der Branche von 15 angewendet wird, ergibt sich ein fairer Wert von 15.000 €. Solche Schätzungen sind jedoch empfindlich gegenüber Annahmen und stellen lediglich einen Referenzpunkt dar, keinen festen Wert.
Trailing Stop und gestaffelter Verkauf
Es ist nicht immer die beste Lösung, die gesamte Position auf einmal am Kursziel zu verkaufen. Ein Trailing Stop (nachgezogener Stop-Loss) schützt Gewinne, indem er die Stop-Loss-Linie mit dem steigenden Kurs nachzieht. Wenn der Kaufpreis von 10.000 € auf 13.000 € gestiegen ist, könnte man den Stop-Loss auf 12.000 € anheben, um einen Mindestgewinn zu sichern und gleichzeitig Raum für weitere Kurssteigerungen zu lassen.
Der gestaffelte Verkauf (Teilverkäufe) ist eine Methode, bei der das Kursziel in mehrere Bereiche unterteilt und schrittweise verkauft wird. Wenn man 1/3 bei 12.000 € und 1/3 bei 14.000 € verkauft und den Rest mit einem Trailing Stop verwaltet, kann man sowohl das Bedauern über einen zu frühen Verkauf als auch das Bedauern über ein zu langes Halten reduzieren. Dies hat den Effekt, das Risiko zu streuen, anstatt alles auf eine einzige Entscheidung zu setzen.
Im koreanischen Markt bieten einige Broker im Vergleich zu den USA nur begrenzte Unterstützung für automatische Trailing-Stop-Orders, sodass oft manuell auf Benachrichtigungen reagiert werden muss. Es ist ratsam, im Voraus zu prüfen, welche Orderarten in der eigenen Handelsumgebung verfügbar sind.
Häufige Fallstricke und Grenzen
Der häufigste Fehler ist, den Stop-Loss-Bereich zu eng zu setzen. Ist der Stop-Loss-Bereich kleiner als die Volatilität, wird man bei normalen Schwankungen immer wieder ausgestoppt, wodurch sich nur Gebühren und Verluste ansammeln. Umgekehrt, wenn der Stop-Loss unbegrenzt hinausgezögert wird, können kleine Verluste zu großen, irreparablen Verlusten anwachsen.
Das Verschieben des Stop-Loss oder des Kursziels, nachdem sich der Preis genähert hat, ist ebenfalls eine faktische Aufhebung der Regeln. Insbesondere das 'Nachkaufen' (Durchschnittskosten senken) bei fallenden Wertpapieren, indem man immer wieder nachkauft, kollidiert direkt mit den Stop-Loss-Regeln. Daher sollte man nüchtern prüfen, ob die ursprüngliche Kaufbegründung noch gültig ist.
Eine Exit-Strategie ist kein Instrument, um Verluste auf Null zu reduzieren, sondern um deren Größe zu kontrollieren. Es kann auch vorkommen, dass ein Stop-Loss durch einen Gap-Down übersprungen und zu einem noch niedrigeren Preis ausgeführt wird. Man muss also davon ausgehen, dass trotz Regeln größere Verluste als erwartet entstehen können.
Checkliste
Bevor Sie den Kauf-Button drücken, notieren Sie drei Dinge: Erstens den Stop-Loss, zweitens das Kursziel und drittens das daraus berechnete Chance-Risiko-Verhältnis. Wenn das Chance-Risiko-Verhältnis unter 1 zu 1 liegt, überdenken Sie den Einstieg.
Ändern Sie die festgelegten Regeln nicht, nur weil sich der Preis nähert. Ein Stop-Loss ist keine Anerkennung des Scheiterns, sondern eine Kapitalerhaltung für die nächste Gelegenheit. Die konsequente Wiederholung von Regeln bestimmt den langfristigen Erfolg mehr als einzelne Treffer. Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.
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