ETFs und Einzelaktien kombinieren
Dieser Artikel erläutert die Prinzipien und Fallstricke einer aktiven und passiven Mischstrategie, die die Diversifikation von ETFs und die Konzentration von Einzelaktien in einem Portfolio kombiniert.
Passiv und Aktiv: Was wird kombiniert?
ETFs sind passive Anlagen, die einen Index oder einen bestimmten Korb von Wertpapieren exakt nachbilden. Anstatt eine einzelne Aktie zu kaufen, investieren sie gleichzeitig in Dutzende bis Hunderte von Titeln, wodurch das Risiko eines einzelnen Unternehmens durch den Durchschnitt verwässert wird. Typische Beispiele sind ETFs, die den S&P 500 im US-Markt oder den KOSPI 200 im koreanischen Markt nachbilden.
Einzelaktien sind eine aktive Wahl, bei der Anleger bestimmte Unternehmen direkt auswählen und gewichten. Sie zielen auf höhere Renditen als der Marktdurchschnitt ab, aber im Gegenzug spiegeln sich die Leistung oder negative Nachrichten eines einzelnen Unternehmens direkt im gesamten Portfolio wider.
Eine Mischstrategie kombiniert beides in einem einzigen Depot. Die Kernidee ist eine Aufteilung der Rollen: ETFs übernehmen die Diversifikation, während eine begrenzte Anzahl von Einzelaktien versucht, Überrenditen zu erzielen.
Die Core-Satellite-Struktur aus der Perspektive der Gewichtung
Die am weitesten verbreitete Form ist die Core-Satellite-Strategie. Dabei wird der Großteil des Portfolios (der Core) mit breit gestreuten ETFs gefüllt und der kleinere Teil (die Satelliten) auf Einzelaktien verteilt. Zum Beispiel werden von einem Gesamtbetrag von 10.000 Euro 8.000 Euro in einen Marktindex-ETF investiert und die restlichen 2.000 Euro auf vier Einzelaktien zu je 500 Euro aufgeteilt.
Der Vorteil dieser Struktur ist, dass die Quellen von Gewinn und Verlust getrennt sind. Während der Core dem Marktdurchschnitt folgt, kann die Performance der Satelliten separat bewertet werden. Selbst wenn eine Satelliten-Aktie um die Hälfte fällt, beläuft sich der Verlust auf 500 Euro des Gesamtportfolios, also nur 5%.
Die Gewichtung selbst wird zu einem Risikomanagement-Instrument. Wenn die Summe der Einzelaktien auf 20-30% des Gesamtportfolios begrenzt wird, weicht das Portfolio auch bei einer falschen Aktienauswahl nicht wesentlich vom Markt ab.
Das Gleichgewicht von Risiko und Rendite durch die Mischstrategie
Wer nur ETFs hält, kann kaum mehr als die Marktrendite erwarten; wer nur Einzelaktien hält, erhöht die Volatilität. Die Mischstrategie positioniert sich irgendwo dazwischen. Je höher die Core-Gewichtung, desto näher rückt das Ergebnis an den Marktdurchschnitt; je höher die Satelliten-Gewichtung, desto stärker ist man dem Glück einzelner Titel ausgesetzt.
Nehmen wir als einfaches Beispiel an, der Core-ETF steigt in einem Jahr um 8% und die Satelliten-Gruppe um 20%. Bei einer 80:20-Gewichtung beträgt die Gesamtrendite 0,8 × 8 + 0,2 × 20 = 9,6%. Fällt der Satellit hingegen um 30%, beträgt die Gesamtrendite 0,8 × 8 + 0,2 × (-30) = 0,4%. Dies ist zwar schlechter als der Markt, aber der Verlust ist geringer, als wenn das gesamte Kapital in Einzelaktien investiert worden wäre.
Diese Berechnung zeigt, dass der Erfolg einer Mischstrategie nicht nur von der Fähigkeit zur Aktienauswahl, sondern auch von der Gestaltung der Gewichtung abhängt.
Wie man eine doppelte Exposition überprüft
Die häufigste Falle bei einem Mischportfolio ist die doppelte Exposition. Da marktkapitalisierungsgewichtete ETFs einen hohen Anteil an Large Caps haben, steigt die tatsächliche Konzentration viel stärker als beabsichtigt, wenn man dieselben Large Caps zusätzlich als Einzelaktien kauft.
Wenn beispielsweise ein Big-Tech-Unternehmen 7% eines ETFs ausmacht und diese Aktie zusätzlich als Satellit gekauft wird, kann der Anteil dieses einen Unternehmens am Gesamtportfolio aus beiden Quellen zusammen in den zweistelligen Bereich steigen. Man hat ETFs zur Diversifikation gekauft, wettet aber letztendlich auf eine einzige Aktie.
Daher sollte man bei der Auswahl von Satelliten-Aktien zuerst die Top-Bestandteile des Core-ETFs überprüfen und möglichst Titel aus Bereichen wählen, die im ETF gering gewichtet sind oder ganz fehlen, um den Diversifikationseffekt zu erhalten.
Rebalancing und Kosten: Die realen Variablen
Bei einem Mischportfolio verschieben sich die Gewichtungen im Laufe der Zeit. Steigen die Satelliten stark an, kann ihr Anteil von 20% auf 35% anschwellen, wodurch das Risiko höher wird als beabsichtigt. Dies ist der Grund, warum ein regelmäßiges Rebalancing erforderlich ist, um die ursprünglichen Gewichtungen wiederherzustellen.
Auch die Kosten sind nicht zu vernachlässigen. ETFs sind mit Verwaltungsgebühren (Gesamtkostenquote) verbunden, und häufiges Kaufen und Verkaufen von Einzelaktien führt zu kumulierten Transaktionskosten und Steuern. Während die jährlichen Gebühren für breit gestreute Index-ETFs im Bereich von 0,1% liegen, können einige Themen-ETFs um ein Vielfaches höher sein. Es ist daher ratsam, zu vergleichen, ob man die gleiche Exposition günstiger erhalten kann.
Korea und die USA haben unterschiedliche Steuersysteme für Kapitalgewinne und Dividenden sowie eine unterschiedliche Währungsexposition. Wer internationale ETFs oder US-Einzelaktien hält, muss auch berücksichtigen, dass Wechselkursschwankungen eine zusätzliche Variable für die Rendite darstellen.
Checkliste
Die Mischstrategie ist eine Methode, um durch Gewichtung ein Gleichgewicht zwischen Diversifikation und Konzentration zu finden. Indem man dem Markt mit Core-ETFs folgt und nur mit begrenzten Satelliten versucht, Überrenditen zu erzielen, werden die Auswirkungen einer falschen Aktienauswahl begrenzt.
In der Praxis sollten drei Punkte überprüft werden: Überschreitet die Gesamtgewichtung der Einzelaktien die festgelegte Obergrenze nicht? Gibt es keine doppelte Exposition gegenüber denselben Titeln in Core-ETFs und Einzelaktien? Gibt es eine Rebalancing-Regel, um die Gewichtungen wiederherzustellen, wenn sie sich verschoben haben?
Dieser Artikel ist ein Bildungsmaterial zur Erläuterung der Strategiestruktur und stellt keine Empfehlung zum Kauf bestimmter Aktien oder ETFs dar. Gewichtung und Kosten müssen individuell an die eigene Anlagedauer und Risikobereitschaft angepasst werden.
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